I AM LOVE, Italien 2009, Regie: Luca Guadagnino







































Das Mailand des Jahres 2000. Hier residiert der mächtige Recchi Clan, eine alt eingesessene Modedynastie. Man geniesst alle Vorzüge einer Industriellenfamilie, welche im Nachkriegsitalien zu Ruhm und Reichtum gekommen ist. Jedoch stehen die Zeichen auf Umbruch, das alte Familienoberhaupt tritt zurück und überlässt seinem Sohn Edoardo(Gabriele Ferzetti) die Führung des Unternehmens. Dessen Frau Emma (Tilda Swinton), eine Russin, welche für ihn einst ihr Land verliess, ist einsam und gelangweilt vom Leben im goldenen Käfig. Da tritt der begnadete Koch Antonio (Edoardo Gabbriellini), ein Freund ihres ältesten Sohnes (Flavio Parenti), in ihr Leben, und mit ihm der Genuss, und Amore, Amore... I AM LOVE ist ein wunderbarer Film über die Liebe zum Leben, die Freude an den Kleinigkeiten und die Tatsache, daß es oft eines Umbruchs, eines Gewaltakts, bedarf, um die Richtigkeit der Dinge wieder herzustellen.

"Um mich zu ersetzen, bedarf es zweier Männer."

Dies sind die Worte des alten Patriarchen, nachdem er seinen Sohn und den Enkel an die Spitze der Firma gesetzt hat. Und sie zeigen, woher der Wind weht: Die Recchis haben noch nie verloren und Gefühle spielen hier nur eine untergeordnete Rolle. Die Villa, ein eigenständiger Charakter des Films und bei viel natürlichem Licht brilliant eingefangen von Kameramann Yorick le Saux (SWIMMING POOL, CARLOS-DER SCHAKAL), ist wunderschön, aber trotzdem ein beengender, drückender Ort. Man hat das Gefühl, das alles dort seit Jahrzehnten an seinem Platz steht und ja nicht verrückt werden darf. Wie in einem Giallo der 70er gleitet die Kamera durch die gewaltigen Räume, fängt jedes Detail ein und zeigt die Verlorenheit der Menschen darin. Die Tochter (Alba Rohrwacher) liefert schließlich die Initialzündung, sie bricht als Erste aus, indem sie eine lesbische Affäre beginnt- und ihr Glück findet. Aber erst ein schwerer Schicksalsschlag wird das Gefüge der Recchis schließlich zum Wanken bringen.

I AM LOVE gehört zum kleinen, aber feinen Genre der, wie soll man's nennen, Genuss-Filme. TAMPOPO (1985) ist ein echter Klassiker, aber auch derbere Werke wie DAS GROSSE FRESSEN (1973) oder DER KOCH, DER DIEB, SEINE FRAU UND IHR LIEBHABER (1989). Filme, die aus erlesenen Zutaten (Darsteller, Kamera, Musik, Schnitt) zusammengesponnen, den Umweg zum Hirn des Zuschauers über den Magen nehmen, mal auf erschreckende, mal auf betörende Art und Weise. LOVE betört ungemein, auf diese ganz spezielle italienische Art, es gibt da diese tollen Momente, wo Bild und Sound (fantastischer Soundtrack von John Adams!), wie Kochzutaten, zusammenfinden...die Sequenz, in welcher sie den Koch in der Stadt verfolgt und sich in einen Bücherladen flüchtet, ist wie ein Suspense Thriller inszeniert, auch das "Finale" ist in dieser Hinsicht wirklich beeindruckend! Oft fühlte ich mich an den ebenfalls künstlerisch sehr hochwertigen AMER erinnert, welcher ganz offensiv dem Giallo Thriller Genre huldigt, aber auf ähnliche Weise die (psychischen) Abgründe hinter den sonnendurchfluteten Bildern aufzeigt.

I AM LOVE aber ist ein klassisches Familiendrama. Und zudem eines der Besten. Eine ganz dicke Empfehlung!






ON THE RUN (La Proie), Frankreich 2011, Regie: Eric Valette




































Franck Adrien (Albert Dupontel) sitzt. Wegen eines bewaffneten Raubüberfalls. Aber er hat nicht mehr lange. Seine hübsche Frau und die süsse kleine Tochter warten auf ihn. Das Geld vom Überfall ebenfalls. Aber viele sind hinter dem Geld her. Böse Menschen. Auch seinem Zellenkollegen, Jean-Louis Maurel (Stéphane Debac), wollen sie an den Kragen. Ein Kinderschänder hat es nicht einfach im Loch, auch wenn er angeblich unschuldig ist. Aber sind sie das nicht alle? Als sie kommen, um ihn fertig zu machen, greift Adrien ein, und rettet ihm die Haut. Später wird der Biedermann tatsächlich für unschuldig befunden. Maurel ist Adrien dankbar und bietet ihm an, zu helfen. Eine Botschaft an seine Frau in der Aussenwelt zu überbringen...Als jedoch einige Zeit nach dessen Entlassung ein mysteriöser Polizist auftaucht und Adrien mitteilt, daß Maurel vielleicht doch nicht das Unschuldslamm ist, welches er vorgibt zu sein, beschliesst der Bankräuber, die Haftzeit aus Angst um seine Lieben etwas zu...verkürzen!

Tjaaaa, und dann geht's ab! Zackzack!! Gute Charaktere (Maurel ist endlich mal wieder ein richtig hassenswerter Fiesling), einige hübsche Wendungen und eine rasant inszenierte, wenn auch mitunter etwas über-konstruierte Handlung machen Valettes ON THE RUN zu einem echten kleinen Highlight des französischen Mainstream Kinos. Da rennt man gerne ein gutes Stück mit! Albert Dupontel (IRREVERSIBEL, MATHILDE, LOUISE HIRES A CONTRACT KILLER), eigentlich nicht mehr der Allerjüngste mit 48, springt wie einst Belmondo auf Autos und Züge, übt sich in brachialen Faustkämpfen und rennt, rennt, rennt- Hut ab! Alles hübsch bodenständig, ohne allzu viel CGI Firlefanz und kilometerweit in die Höhe fliegende Autos inszeniert. Und auch Alice Taglioni, eigentlich eher dem Komödienfach zugehörig, überzeugt als hartnäckige Jägerin ebenfalls durch beeindruckende Nehmerqualitäten- außerdem sieht sie etwas besser aus als Tommy Lee Jones!

Eric Valette, Regisseur vom soliden MALÉFIQUE (2002), aber auch Gurken wie dem Hollywood Remake von Miikes ONE MISSED CALL (2008) und dem Killerautodramolett SUPER HYBRID (2010) hat als blindes Regie-Huhn hier definitiv ein hübsches Körnchen aufgepickt! Hoffen wir mal, daß es nicht nur dabei bleibt:
Mir hat seine unterhaltsame Mischung aus Franko-Action und Serienkiller-Thriller jedenfalls so einige Freude bereitet!


Große Befürchtungen: BATTLESHIP, USA 2012, Regie: Peter Berg, und: THE THING, USA 2011, Regie: Matthijs van Heijningen



















Vor diesen zwei Filmen hatte ich, ehrlich gesagt, Angst. War gleichzeitig aber auch verdammt neugierig. Der eine sieht sich als Verfilmung des Hasbro Spielklassikers SCHIFFE VERSENKEN. Der andere als ein Prequel zu einem der feinsten amerikanischen Horrorspektakel aller Zeiten, John Carpenters THE THING (1982). Das alleine reicht, diese Filme bereits im voraus auf die Abschussliste zu setzen! Videospielverfilmungen sind ja generell schon die Hölle, und jetzt auch noch Brettspiele? MENSCH ÄRGERE DICH NICHT demnächst vielleicht als Slasher? Alle TRANSFORMERS Verfilmungen, ebenfalls aus dem Hause Hasbro, sind mir ein schier unerträgliches Gräuel, beeindruckende Effektarbeit wird hier durch die Regie des Oberstümpers Michael Bay zu einem überlangen Schnitt-Tartar mit wirklich haarsträubenden Dialogszenen verwurstet- bis jetzt dreimal und mit, erschreckenderweise, gigantischem Einspielergebnis. Auch THE THING 2011 wurde von einem Werbefutzi inszeniert, zudem als Erstlingswerk- das riecht doch bereits nach einer Totgeburt...oder doch nicht?

Erstaunlicherweise muß man zugeben, daß das 2011er DING sich alle Mühe gibt, es richtig zu machen. Zwar als Prequel verkauft, folgt der Film den Geschehnissen des Originals auf Schritt und Tritt, und stellt somit fast so etwas wie einen Zwitter dar, was ja in Anbetracht der Mutations-Thematik schon wieder durchaus passend ist. Verdrängt man Carpenters gewaltiges Original und lässt sich ganz auf den neuen Film ein, bekommt man ein grundsolides, teilweise recht spannendes, gut getimetes Monsterspektakel mit soliden, größtenteils unverbrauchten Darstellern geboten: Mary Elisabeth Winstead als bodenständige Heroine. Heroine? Moment! Eine Frau? Carpenters Variante war völlig Damen-frei. Viele Kritiker merkten bereits damals an, daß dies vielleicht einer der Gründe für das gewaltige Versagen an den Kinokassen war- Universal wollte diesen Fehler wohl kein zweites Mal begehen, und was soll ich sagen? Es funktioniert. Ulrich Thomsen, immer eine Bereicherung und der einzige Schauspielveteran (von DAS FEST bis THE INTERNATIONAL), als Fiesling, sowie einige frische skandinavische Gesichter lassen eine authentische Atmosphäre aufkommen. Der vielbeschäftigte Marco Beltrami zitiert Ennio Morricones Carpenter-beeinflussten Soundtrack (was für ein Satz!), aber geht auch eigene Wege, für meinen Geschmack mitunter etwas zu bombastisch. Man merkt dem Film einfach die Liebe zum Original an, was an für sich schon ein großer Pluspunkt ist...aber gilt das auch für die Effekte? In Carpenters THE THING waren Rob Bottins, noch heute beeindruckenden, Effekte der absolute Star. Nichts gegen Kurt Russell, Wilford Brimley oder Richard Dysart, aber diese Männer verblassen einfach im Angesicht sich wie Orangen schälender Hunde, aus denen Tentakel schiessen, einem Bauch der zu einem riesigen Maul aufklafft und Arme abbeisst, oder einem abgetrennten Kopf, dem Spinnenbeine wachsen und welcher daraufhin fort krabbelt! Momente, die absoluten Kultstatus erreicht haben und auch schon oft kopiert wurden. Vor dem Film hatte ich damals WIRKLICH Angst, und es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich in die Videothek traute! Die Bilder des Prequels sparen nicht an Drastik, kommen aber nicht so ganz an die schleimigen Exzessen des Originals heran, was gar nicht so sehr an den Effekten aus den fähigen Händen von Alec Gillis und Tom Woodruff Jr. (ALIENS, TREMORS, STARSHIP TROOPERS) oder den ergänzenden digitalen Effekten liegt- ihnen fehlt eher die Denkwürdigkeit, das besondere, das wirklich surreale, was im Original so beeindruckte. Aber vielleicht sind die Bilder auch schon zu abgegriffen, jedenfalls habe ich hier etwas Power vermisst. Summasummarum: THE THING bietet klassisches Monstertainment und gute Unterhaltung für zwischendurch, steht dabei aber leider im Schatten eines zu mächtigen Originals.



Was BATTLESHIP nicht von sich behaupten kann. SCHIFFE VERSENKEN wagte bis jetzt niemand, zu verfilmen. Wahrscheinlich aufgrund der schier unüberwindbaren Komplexität des Spiels. Erst mit den heutigen technischen Mitteln konnte man sich an eine Interpretation dieses als unverfilmbar geltenden Klassikers machen. Ähnlich wie damals David Cronenberg, welcher Burroughs NAKED LUNCH für das Kino aufbereitete. Spaß beiseite:

Der einzige Grund, weshalb ich BATTLESHIP sehen wollte, war nicht Beach Babe Brooklyn Decker, sondern Regisseur Peter Berg. Seinen WELCOME TO THE JUNGLE halte ich für einen der unterschätztesten Fun-Actionfilme überhaupt und OPERATION KINGDOM hatte ebenfalls seine packenden Momente. Über HANCOCK lege ich hier mal das Mäntelchen des Schweigens. Berg hat ein Händchen für krachige Action, verbindet diese aber zudem mit einer an das Haudrauf-Kino der Achtziger gemahnenden ironischen Leichtigkeit, welche ich überaus schätze. Ein Faktor, welcher den pathetischen TRANSFORMER Filmen völlig abgeht. In BATTLESHIP schiesst er in dieser Hinsicht zwar so einige Male völlig über das Ziel hinaus, sei es der völlig überdrehte Anfang, als Hauptdarsteller Taylor Kitsch alles versucht, um besagter Brooklyn Decker ein Burito zu besorgen, und dabei in einer Slapstick Orgie einen halben Supermarkt in Schutt und Asche zerlegt, diverse locker eingestreute Navy (TOP GUN) Momente oder das leider unglaubliche Ende, wenn die (echten) Kriegsveteranen der Missouri aus dem Ruhestand hervorkriechen, um die westliche Welt zu retten. So unglaublich bescheuert diese Szenen auch sind- sie tragen zum Party Faktor von BATTLESHIP bei. Man sitzt da, kann es nicht fassen, das Kino stöhnt förmlich auf, aber am Ende ist es völlig egal. Die Scheisse fliegt einem um die Ohren!.
Taylor Kitschs Alex Hopper trägt sehr zum Funktionieren des Films bei, ein sympathischer Kerl, welcher einfach zuviele Fehlentscheidungen im Leben gemacht hat und ziellos dahin dümpelt, bis sein Patriotenbruder ihn in die Navy holt...und es zugleich bereut, weil der Kleine von Anfang an nur Mist baut. Die klassische Verlierer Story. Liam Neeson (dick auf dem Plakat, aber hatte wohl nur einen Drehtag) gibt den Kommandanten-Schwiegervater in spé, vor dem Kitsch sich behaupten muß, oh mein Gott. Zum Glück kommen ein paar gigantische Raumschiffe vorbei, welche das patriotische Gesindel erst mal Mohres lehren! Ja, und die Fetzen, sie fliegen, die technische Perfektion der TRANSFORMERS kommt natürlich auch hier zum Einsatz, selbst das Beach Babe ist mit einem Bein-amputierten Prothesen-Veteranen auf einer Insel unterwegs und muß sich der lästigen Aliens wehren! Dieser fiese Patriotismus Faktor nervt eigentlich am meisten, das kann einfach nicht alles ironisch gemeint sein! Egal, es kracht, das Kino vibriert, ein Tinnitus auf dem rechten Ohr entsteht beim finalen Geballer...es ist faszinierend, wenn ich meine Worte hier sehe, kann ich selbst nicht fassen, daß ich tatsächlich einen Riesenspaß hatte! AM ENDE SLIDET DIE MISSOURI ANS ALIEN-SCHIFF HERAN. IN SCHRÄGLAGE. Es ist unfassbar. Und dann diese Ordenverleihung. Egal. Ich hatte meinen Spaß. Ich hatte meinen Spaß. Ich hatte meinen Spaß...



KILL LIST, GB 2011, Regie: Ben Wheatley

Kill-list-poster

Das Trauma. Der letzte Job. Kiew. Rückkehr ins normale Leben. Die Familie. Der kleine Sohn. Die hübsche schwedische Ehefrau. Ein Häuschen im Grünen. Der Whirlpool. Welcher nicht funktioniert. Die Depression. Medikamente. Seit Monaten nur zuhause. Die hübsche Ehefrau ist genervt. Streit. Das Dinner mit einem alten Freund und dessen neuer Brosche. Nerven liegen blank. Eklat. Der Freund bietet an, wieder einzusteigen. Leute zu ermorden. Für Geld. Warum eigentlich nicht?

Die erste Hälfte von KILL LIST ist ein gut beobachtetes Beziehungsdrama mit Thriller Touch, fast schon in der großen Tradition des britischen Sozialdramas à la Ken Loach, mit exzellenten Leistungen der Darsteller, besonders dem mitunter wirklich intensiven Neil Maskell (ABBITTE, FOOTSOLDIER) sowie der langsam zur britischen Scream Queen sich mausernden MyAnna Buring (THE DESCENT)- und einigen unangenehmen, realen Momenten, die man so mitunter schon selbst erfahren hat und garantiert nicht wieder erleben möchte!

Mit dem Einsetzen der "Killer"- Handlung geht es dann allerdings rapide bergab. Vom Blutgehalt her bergauf, aber die Story löst sich nach und nach in Wohlgefallen auf. Wähnt man sich zunächst in einem harten Thriller, so kippt die Story in der zweiten Hälfte (nicht gerade völlig unerwartet) in einen Horrorschocker um, nicht ganz so platt wie damals bei FROM DUSK TILL DAWN, aber dennoch in der Einfallslosigkeit doch ziemlich erschütternd. Es gibt viel Herumgerenne in Fabrik- und Waldambiente und, ja, die letzten zwanzig Minuten haben ihre unheimlichen WICKER MAN Momente, aber dennoch wird man das Gefühl nicht los, daß den Machern am Ende die Ideen ausgegangen sind, und sie für den Schluß-Gag einfach einen drauf setzen wollten.

KILL LIST ist durchweg unterhaltsam, gut gespielt, gefilmt und langt ordentlich zu, scheitert am Ende aber an einem unausgegorenen Ganzen. Da wäre so viel mehr drin gewesen.

ADAM CHAPLIN, Italien 2011, Regie: Emanuele de Santi

Adam-Chaplin

Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts, einhergehend mit dem großen Erfolg der Verfilmung eines unbedeutenden japanischen Comics namens AKIRA (1987), schwappte eine gigantische Welle von Mangaverfilmungen über Europa herein. Ich war begeistert. Der exotische Mix aus sehr filmischen Perspektiven, zügellosem Sex und spektakulären Gewaltexzessen waren genau das Richtige für das Testosteron-getränkte Hirn eines Jungmannes! Pionier-Magazine wie Splatting Image betrieben Aufklärungsarbeit, Videoabende mit der Gang wurden zur Regelmäßigkeit, Bier floss in Strömen und Käsecräcker erweiterten das Bewusstsein...man befand sich gerade in der großen spätpubertären Splatterphase und hatte nach dem Abarbeiten von diversen Italoklassikern diesen unglaublichen Partyknaller von einem jungen Neuseeländer namens Peter Jackson, BAD TASTE (1987), entdeckt und ungefähr 500mal durch den ollen VHS Rekorder gejagt (heutzutage kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie DER damals eingeschlagen ist!). Splatter war einfach En Vogue. Leider auch unter deutschen Freizeitfilmern wie Andreas Schnaas (VIOLENT SHIT, 1989, der Titel sagt alles) und Olaf Ittenbach (BLACK PAST, 1989), welche plötzlich daher kamen und durchaus erfolgreich einen billigen Matschklumpen nach dem anderen herauswürgten, und das ohne Internet Vermarktung- kurzum: Es herrschte Goldschürferstimmung im Tal des Blutes! Da kamen die meterhohen Blutfontänen von Animes wie UROTSUKIDOJI, WICKED CITY und vor allem FIST OF THE NORTH STAR genau richtig!

Der Regisseur von ADAM CHAPLIN ist wohl auch so jemand. Ein Fanboy in Reinkultur, welcher den ehrgeizigen Plan entwickelte, mit einem Winzigstbudget den Anime Look in real nachzubilden. Zum Glück vereint er das mit einem durchaus vorhandenen Quentchen Talent! Herausgekommen ist dabei ein semi-professionelles Blutbad, eine Art BAD TASTE des Jahres 2012: ADAM CHAPLIN. Die Story ist sowas von sekundär, daß ich gerade mal einen Satz an sie verschwende: Ja, es geht um Rache. Ruckzuck ist die Fresse dick. Matschbirne, Alda.

Diese gewisse Einfallslosigkeit könnte man dem Regisseur dann auch am ehesten vorwerfen, im Vergleich dazu war Peter Jacksons Erstling eine fein gesponnene Satire meisterhaften Zuschnitts, und das will wirklich was heissen!
Aber das war auch gar nicht das Ziel des Herrn de Santi- er wollte einfach nur mal ordentlich die Sau rauslassen, Masken- und Digitaleffekte ausprobieren und seine Favoriten, augenscheinlich FIST OF THE NORTH STAR (1986) und STORY OF RICKI (1991) ausgiebig zitieren...und was er uns hier serviert, kann man zumindest im semi-professionellen Bereich als innovativ bezeichnen! Während deutsche Amateurfilmer seit Jahrzehnten in denselben Zombie-/Folter-/Matschniederungen auf irgendwelchen Äckern herumdümpeln, überzeugt dieser italienische Beitrag durch den unbändigen Willen, zumindest visuell, neue Wege zu gehen. Auf preisgünstigem Digitalequipment gedreht, kommt mitunter fast eine VHS Stimmung auf, welche die Huldigung an das in den Achtzigern so populäre Endzeitgenre noch zusätzlich unterstreicht. Und dann die Effekte! Wie im bereits erwähnten FIST schlägt der (leider unglaublich behämmert aussehende) Held mit übermenschlichen Kräften auf seine Gegner ein und so einiges ab, Gliedmaßen fliegen im Sekundentakt, die Masken überzeugen durch gekonntes Handwerk. Selbst die Einstellungen der Anime Vorlagen werden gekonnt getroffen und auf einfachem Wege nachkreiert, hier ist eine geballte Kreativität hinter dem Blutvorhang zugange, welche ADAM einen gewissen Reiz verleiht und ihn über den Videodurchschnitt hebt.

Ja, ich bin angenehm überrascht.

Dieser unbändige Wille zur Übertreibung, der Hang zum Exzess, das übersteigert Comic-hafte Monty Pythonschen Ausmasses macht einfach Spaß. Ein Jungens Film für die alte Gang. Und endlich mal nicht wieder dieser ewige Folterdreck.

Momentan ist ADAM CHAPLIN leider nur auf der Webseite des Regisseurs erhältlich, aber eine Veröffentlichung in England wurde bereits angekündigt.